Wie ich zu der wurde, die ich heute bin!

Da bin ich nun und habe es tatsächlich gewagt, eine Website ganz allein zu erstellen. Natürlich habe ich mich vorher stundenlang inspirieren lassen, belesen, gegrübelt und wieder gelesen, wie man das Alles am Besten anstellt. Eine präzise Antwort hab ich bisher noch nicht gefunden, dafür aber eine andere Erkenntnis zum wiederholten Mal gewonnen: Wer Nichts wagt, der Nichts gewinnt!

Ich bin Susann, und in diesem Moment 36 Jahre jung. Ich habe im wunderschönen Thüringen Medizin studiert und bin voller Stolz Ärztin geworden. Ich lebe mit meiner kleinen Familie in der Nähe der Landeshauptstadt und möchte zukünftig gern noch mehr aus meinem Fachwissen machen.

Nach einigen Berufsjahren -ehrlich gesagt hatte ich es schon viel früher geahnt aber nicht wahr haben wollen- habe ich festgestellt, dass ich in einem sehr maroden und ungerechten Bereich der Arbeitswelt gelandet war. In einem Krankenhaus. Lass mich ein bisschen ausholen, damit DU meine Motivation besser nachvollziehen kannst.

Vom Ärztemangel und Pflegenotstand hat inzwischen sicherlich jeder schon einmal irgendwo gehört. Und ganz ehrlich: es ist keine Übertreibung in den Medien. Dem System fehlt tatsächlich jede Menge Fachpersonal um zukünftig eine gute medizinische Versorgung in Deutschland flächendeckend sicherzustellen. Hier möchte ich das Wörtchen „zukünftig“ einmal aufgreifen und behaupten, dass gute medizinische Versorgung schon jetzt kaum noch flächendeckend gewährleistet werden kann. Beispielsweise schließen immer mehr Geburtskliniken, so dass einige hochschwangere Frauen inzwischen richtig lange Wege auf sich nehmen müssen, um ihr Kind zu entbinden. Gleichzeitig erdrückt die Kosten – und Pflichtenlast unsere selbstständigen Hebammen, auch die sterben aus! Wohin kann man noch gehen, wenn man nicht in der Nähe eines Krankenhauses lebt? Von der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum brauchen wir vermutlich gar nicht reden? Oder hast DU in jüngerer Vergangenheit mal versucht kurzfristig einen Facharzt-Termin zu bekommen – weil DU HEUTE ein Leiden hast und nicht in vier Monaten? Diese Liste könnte ich endlos fortsetzen….

Da baut sich beim Patienten leicht Frust auf! Absolut verständlich!

Mir hat mal ein Patient gesagt: (ich ersetze mal aus Jugendschutz-Gründen ein paar Kraftausdrücke) „In meinem nächsten Leben werd ich auch Arzt! Da kann ich mir den ganzen Tag die „Kronjuwelen“ schaukeln und am Ende des Monats ist das Konto voll!“

Mein Freund hat in der Notaufnahme mal Applaus bekommen, als der nächste Patient aufgerufen wurde, weil nach einer Polytrauma-Versorgung im Schockraum zwei Stunden lang keiner der Dreißig Wartenden behandelt werden konnte. Was dachten die Leute? Das alle Mitarbeiter der Notaufnahme mal zum zweistündigen Kaffeekranz verschwunden sind? Einige Notaufnahmen haben Sicherheitsdienste engagiert um ihr Personal vor gewalttätigen Übergriffen zu schützen. Solche und ähnliche Geschichten kann dir jeder erzählen, der mal in einem medizinischen Beruf mit stationärer Versorgung gearbeitet hat.

Die Wahrheit über das Innenleben eines Krankenhauses und das Berufsleben als angestellte Krankenhausärztin hat aber absolut gar Nichts mit Schaukeln zu tun. In Echt besteht es nämlich eigentlich zu einem Großteil daraus, Erstens Bereitschaftsdienste zu absolvieren, Zweitens sich von eben Solchen zu erholen weil man nicht selten 24 Stunden oder mehr durcharbeitet oder Drittens die Stellung zu halten, wenn der Partner (der in meinem Fall auch Arzt ist) durch Erstens oder Zweitens abwesend ist. An den Tagen dazwischen hat man das Glück ungefähr nur 9-10 Stunden täglich arbeiten zu müssen. Das hängt stark davon ab, für welche Fachrichtung man sich nach dem Studium entscheidet. Man ist nämlich nach 7 Jahren Studium nur „Arzt“, mit viel theoretischem Wissen aber ohne jede Erfahrung. Diese und noch weitere spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse erwirbt man dann in der sich anschließenden mindestens 5 Jahre dauernden Facharzt-Ausbildung. Zurück zum Alltag: Für eine Mittagspause oder andere Mahlzeiten hat man meistens keine Zeit. Die Kollegen arbeiten zum großen Teil ebenfalls am Limit. Das merkt man auch untereinander. Das Klima ist rauer als ein Schleifstein und der Ton selten liebevoll.

Wenn man, wie in meinem Fall, das große Glück hat Familiennachwuchs zu bekommen, dann wird man vor eine riesige Herausforderung gestellt. Eine nicht enden wollende Karussellfahrt beginnt, nimmt immer weiter Fahrt auf. Planen, Umplanen, Bloß Nichts vergessen, Und die Wohnung sieht aus, Einkaufen muss auch noch einer, Was die Waschmaschine ist kaputt? Aaaaaahhhhhhh……..Und nach ein paar Monaten hat mich das Karussell völlig verbraucht ausgespuckt. Wie meine Kollegen diese Herausforderung jahrelang meistern habe ich mich mehr als einmal gefragt. Geklagt haben auch sie oft, aber geändert haben die Wenigsten etwas.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden, denn ich liebe den Arztberuf über Alles, habe Medizin studiert um Menschen zu helfen, mein Fachwissen mit ihnen zu teilen und gezielt einzusetzen, vielleicht sogar um zu heilen. Doch während ich dies vermeintlich tat, merkte ich, dass ich selbst krank wurde. Ständige Erschöpfung und Müdigkeit waren meine treuen Begleiter. Aus Zeitgründen und der fehlenden Energie am Abend, trieb ich fast überhaupt keinen Sport mehr, tat auch sonst kaum noch Etwas für mich, sondern funktionierte gerade nur noch so viel in meinen verschiedenen Lebensrollen, dass mein Orbit nicht implodierte. Dieser Zustand des „Funktionierens“ war indes äusserst labil. Sobald irgend ein Faktor sich änderte, Beispielsweise der Gesundheitszustand meines Kleinkindes, wurde es wirklich gruselig. Es ging das große Feilschen los, wer wann zu Hause bleibt um bloß keine Kollegen im Stich zu lassen, denn sind wir einmal ehrlich: Die leben unter den gleichen Zuständen (zumindest die Assistenzärzte und -ärztinnen). Und einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst kurzfristig abzusagen ist einfach unkollegial. Also rotiert man wieder, lässt die Familie ausbaden, dass man informellen Zwängen unterliegt. Wieder und wieder. Die Scheidungsrate in meinem Job ist sehr hoch. Wenn ich jetzt im Zusammenhang mit diesem Text so darüber nachdenke, fällt mir kaum jemand ein, dessen Ehe/ Beziehung langfristig gehalten hat.

Ich für meinen Teil habe dann irgendwann die Notbremse gezogen und meine Kündigung verfasst. In dem Moment, wo ich dieses Blatt Papier ausgedruckt und in den Briefkasten der Personalabteilung geworfen hatte, war es, als hätte ich eine Kette gesprengt, über deren Existenz ich mir eigentlich bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht richtig bewusst war. Es fühlte sich wie eine Befreiung an. Wie ein frischer tiefer Atemzug, nachdem man aus einem stickigen Raum tritt. Ein wenig schwindelig war mir anfangs noch, ich war ja ziemlich rasant unterwegs gewesen.

Anfangs fühlte ich mich wie eine Verräterin, denn nur weil ICH nicht mehr „mitmache“, hat sich das System nicht geändert. Und die Arbeit, die ICH nun nicht mehr erledige, bleibt an meinen ehemaligen Kollegen hängen. Ich habe mich dafür in etwas ruhigere Fahrwasser zurückgezogen und betätige mich nun mehr im Bereich der klinischen Forschung.

Jetzt gut drei Monate später bin ich absolut im Reinen mit meiner Entscheidung. ICH arbeite um zu leben und nicht umgekehrt. Aber ich habe beschlossen mein kostbares Wissen nicht für mich zu behalten, sondern auf andere Art als im Krankenhaus zu multiplizieren.

Durch den Kauf und den Selbstausbau meines Lorenzos (hierzu erfährst du später alle Details), habe ich auf heilsame Art einen Kontakt zu Menschen gefunden, die mir gut tun. Die angetrieben sind durch die selben Sinnfragen, anders ticken als der Rest, positiv ver-rückt und unglaublich inspirierend sind.

Ihr alle seid der Grund, warum ich den Schritt gewagt habe dieses Blogger-Ding ernsthaft anzugehen. Ihr seid meine Medizin und ich möchte euch unglaublich gerne etwas zurückgeben! Deswegen freue ich mich auf viele tolle Dinge, die auf dieser Website möglicherweise entstehen und lade euch ein dabei zu sein.

Vielen Dank dafür, dass es DICH gibt und dass DU an meinem Content interessiert bist!

DEINE Susann

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